Agritainment und Farmfree Food

Agritainment und Farmfree Food sind zwei Begriffe, die ich heute unabhängig voneinander in der Zeitung gelesen habe. Agritainment beschreibt die künstliche Erlebniswelt, die seit langem um das Thema Bauernhofurlaub aufgebaut wird. Ein Zitat von mir aus dem Jahr 2006 beschreibt, was auch heute häufig noch gilt:

„Ich bin der Ansicht, dass Urlaub auf dem Bauernhof deshalb so gut ankommt, weil es sich um eine künstliche Erlebniswelt handelt. Da laufen im Idealfall ein paar Hühner, ein paar Kühe und ein paar Schweine rum. Pferde oder Ponies müssen sowieso sein, das ist klar. Aber was hat das mit der heutigen Landwirtschaft und Tierhaltung zu tun (wenn sie nicht idealistisch betrieben wird)? Wer will schon auf einem konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb Urlaub machen? Da gibt es schon ziemliche Geruchsbelästigung durch Stallausdünstungen und insbesondere nach der Ernte wird der Mist dann auch auf die Felder gefahren. Nun ja, Urlaub auf dem Bauernhof ist eben Urlaub auf dem Bauernhof und Land- und Viehwirtschaft eine andere Sache.“

Bildquelle: Pixabay, Xuân Tuấn Anh Đặng

Es gibt den Wunsch von Gästen auf einem Bauernhof im Stall oder auf dem Feld „helfen“ zu können. Das wird auf einem ernsthaften Bauernhof dann möglich sein, wenn eine Arbeitskraft dafür abgestellt wird, mit den Gästen „Bauernhof zu spielen“. Das ist vollkommen legitim und wird auch häufig gemacht. Man muss sich nur darüber im klaren sein, dass das weniger mit Landwirtschaft zu tun hat als mit Agritainment. Vergleichbar wäre die Frage in einer Tischlerei oder bei einem Metallbauer, ob man mal für eine halbe Stunde „helfen“ könnte. Wenn ich Anfang Mai mit den Gästekindern Kartoffeln pflanze oder Anfang Juni zusammen mit Gästen Heu einlager, bringt das immer Spaß. Mit Landwirtschaft als Broterwerb hat das aber natürlich nichts zu tun.

Landhausstil ist eine schöne Sache, die auch durch Zeitschriften wie Landlust oder LandGang gepusht werden. Auch Landhausstil in der Ausprägung der bunten Magazinwelt hat wenig mit der harten Arbeit einer Bauernfamilie zu tun, die von der Lebensmittelherstellung lebt (und nicht von Windkraft oder dem Verkauf von Bauland).

Welchen noch größeren Strukturwandel die Landwirtschaft ereilen könnte, schreibt George Monbiot diese Woche im Freitag. Im Zusammenhang mit dem Trend zu veganer Ernährung (falls Mikroben vegan sind …) ist der Artikel lesenswert. Im Original erschienen ist der Artikel im Januar in The Guardian und dort nach wie vor kostenlos zu lesen.

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