Minischweine halten

Vor ein paar Jahren hat eine damalige Nachbarin mich gefragt, ob ihre beiden Minischweine in Zukunft bei mir leben dürfen. Sie wollte umziehen und hatte an dem neuen Ort keinen Platz für die beiden Schweine, die sie als Ferkel bekommen hat. Als sie die Minischweine bekommen hat, lebte sie in München und wurde (wie sie mir erzählte) beim Spazierengehen im Englischen Garten gefragt, was denn das für Hunde seien. Als Ferkel seien die beiden durch die Katzenklappe in den Garten gegangen.

Minischweine halten ist völlig problemlos

Wenn Schweine Auslauf haben, muss man einen Schweinestall niemals ausmisten. Schweine sind sehr reinliche Tiere und würden niemals auf den Gedanken kommen, ihre „Wohnung“ vollzukacken. Ich wüsse nicht, warum man ein Minischwein nicht im Haus halten sollte. Das gilt zumindest dann, wenn man es für vertretbar hält, dass Hunde, Katzen, Hamster, Schlangen, Meerschweinchen oder Vögel in Wohnungen leben. Bei mir haben die Minischweine einen Raum im Hühnerstall bekommen. Diesen habe ich mit Heu vollgestopft, was sie gerne angenommen haben, um sich tief einzugraben. Peggy und Josi sind ausgewachsen und mit gut 10 Jahren Lebenserfahrung zu uns auf den Hof gekommen. Sie haben sehr gut auf die Hühner aufgepasst (Marder können Schweine nicht riechen oder haben Angst vor ihnen) und waren hervorragende Helfer bei der Verwertung von Fallobst. Schweine sind sehr gelehrig. Aus Schweinen kann man gut Schnitzel oder auch Salami machen. Meine beiden Minischweine hatten eher den Status von Hunden. Hunde kann man auch essen, macht man aber in Europa in der Regel nicht. Die beiden Schweine sind inzwischen mit über 20 Jahren gestorben. Natürlich wurden die Körper der Minischweine nicht im Garten vergraben oder in die Ostsee geworfen sondern sind der TKV zugeführt worden. Sie waren natürlich auch ordnungsgemäß gemeldet und ich habe die Beiträge für den Tierseuchenfond immer bezahlt. Mir fehlen die beiden Minischweine als Mitglieder der Hofgemeinschaft. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden, weiterhin mit Minischweinen zu leben.

Warum ich keine Minischweine mehr halte

Minischweine halten ist praktisch völlig problemlos. Das habe ich schon erwähnt. Leider kommt die Theorie einem gemeinsamen Leben mit Minischweinen etwas in die Quere. Auch für die Haltung von Minischweinen gilt die „Verordnung über hygienische Anforderungen beim Halten von Schweinen (Schweinehaltungshygieneverordnung – SchHaltHygV)“. Daraus geht im Prinzip hervor, dass Schweine nur in Quarantäne gehalten werden dürfen. Das Haftungsrisiko für Verstöße gegen die Schweinehaltungshygieneverordnung ist nach meiner Einschätzung nicht ganz klein. Wenn es zum Ausbruch einer Schweineseuche kommen sollte, müssen alle Schweine im Umkreis von x km getötet werden. Wer Schweine zum Erwerb hält, ist in der Regel gegen solche Vorfälle versichert. Das deckelt zumindest den finanziellen Schaden. Wer das Geschäft von Versicherungen kennt, kann einschätzen wie groß deren Skrupel sind, (Hobby)-Schweinehaltern den Hof zu pfänden, weil sie gegen die Schweinehaltungshygieneverordnung verstoßen haben. Das ist eine ganz klassische Schadenersatzforderung, wie es in §823 BGB geregelt ist. Natürlich kann oder sollte oder muss man sich auch bei der Haltung von Minischweinen an die Schweinehaltungshygieneverordnung halten.

Quarantäne führt nicht zu Gesundheit

Quarantänehaltung ist mindestens bei Schweinen und Geflügel seit Jahrzehnten üblich. Ich kenne das aus meiner Kindheit. Nun ist es nicht so, dass diese Abschottung der Tiere von der Außenwelt zu mehr Gesundheit der Tiere geführt hätte. Züchtungsziele bei Nutztieren sind andere als die Robustheit gegen Krankheiten oder ein funktionierendes Immunsystem. Wir tragen das als Gesellschaft mit. Medikamente sind wichtiger als ein funktionierendes Immunsystem. „Multiresistente Erreger“ ist ein Thema, dass höchstens mal für eine Sommerlochmeldung oder als Nachricht kurz vor der Grünen Woche reicht. Kaum ein Milch-, Eier- oder Fleischkäufer macht sich Gedanken darüber. Das ist auch alles recht komplex. Viel einfacher ist es, Angst vor der (afrikanischen) Schweinepest oder der Vogelgrippe zu haben und für die Maßnahmen zum Schutz vor der Verbreitung dieser oder anderer „Seuchen“ zu plädieren. Und wenn man BIO kauft, hat man immerhin etwas getan. Das gibt es auch beim Discounter. Was tut man denn eigentlich genau, wenn man BIO beim Discounter kauft? Anderes Thema …

Bei all dem medialen Training in den letzten Jahren ist es nicht sehr verwunderlich, dass der Widerstand gegen die scheinbare Adaption der Schweinehaltungshygieneverordnung auf den Menschen so gering ist.